Neuseeländischer Charme

Nach der absoluten Stille in Te Anau (Milford Sound), hier waren nicht mal die sonst nerv tötenden Grillen zu hören (nur die Tippelbrüder Josha und Manuel haben das verschlafene Backpacker etwas aufgemischt ;-)), schockt Queenstown doch etwas. Eine Touristenhochburg. Zugegeben, landschaftlich sehr schön gelegen, aber mit den vielen Menschen hier, bin ich erst mal überfordert. Hier kommt der Adrenalin Junkie ganz auf seine Kosten. Von Jetboat fahren, River Surfing, Canyoning, Bungee Jumping etc. ist hier alles zu finden. Ein paar nette Bars und Lädchen runden das ganze ab. Im Winter werden hier die Pisten der Remarkables gerockt (leider momentan noch kein Schnee in Sicht, obwohl es langsam echt empfindlich kalt wird).

Queenstown

Mein Canyoning Abenteuer findet in Wanaka bzw. im Mt. Aspiring National Park steht. Seeeeehr geil! (in der Galerie sind auch ein paar Filmchen versteckt).

Wanaka

Im Gegensatz zu Bali, wo die Eindrücke nur so auf einen einprasseln, tritt der neuseeländische Charme eher leise zum Vorschein. Wer hier herkommt und Party erwartet ist eher falsch gewickelt. Denn alle Großstädte sind in unseren Augen eher Kleinstädte und bieten meist nur ein paar Pubs und Bars zum weggehen, Clubs sind weitestgehend nicht auffindbar. Wer also im falschen Moment blinzelt, hat unter Umständen, die nächste Stadt verpasst ;-). 10 Häuser, ein i-Site, ein Museum, wenn man Glück hat ein Supermarkt und wenn man noch mehr Glück hat eine Tankstelle.
Neuseeland ist das Land der Outdoor-Liebhaber. Natur pur kann hier reichlich gefunden werden. Bei 4.120.900 Einwohnern (Berlin hat 3,5 Millionen) hat man diese meistens für sich allein oder muss sie nur mit wenigen anderen Teilen. Obwohl ich mittlerweile schon langsam genug habe von Vulkanen, Wasserfällen, Seen und Bergen, kann mich Neuseeland doch immer wieder aufs Neue überraschen. Auf der Fahrt von Wanaka zum Franz Josef Gletscher fahre ich lange durch karge Berglandschaft, gefärbt in Brauntönen. Diese monotone Landschaft wird nur durch vereinzelte Briefkästen am Straßenrand und Zäune unterbrochen, die dazugehörigen Häuser sind jedoch nicht zu sehen. Plötzlich wandelt sich jedoch das Bild und spätestens in Haast finde ich mich in einem Regenwald wieder. Riesige Farne, Palmen und überdimensionierte Topfpflanzen erheben sich links und rechts. Die ersten Wolken hängen schon an den grünen Küstenbergen.

Fox

In Mitten dieses Regenwaldes erwarten mich die riesigen Gletscher Fox und Franz Josef. Sie sind viel grösser als der Gletscher nahe des Mt. Cook und doch stellt sich nicht mehr diese Begeisterung ein, wie ich sie dort erlebt hab. So schnell stumpft man ab unter diesen vielen Eindrücken, schlimm schlimm… Aber vielleicht ist es auch nur das schlechte Wetter, das meine Laune merklich sinken lässt. Der Roberts Point Track am Franz Josef Gletscher ist jedoch wunderschön. Nur der Rückweg ist etwas halsbrecherisch, da es anfängt zu regnen, ist der Weg über Flüsse, Steine und Geröll doch etwas rutschig.

Diese übelsten Regenfälle werde ich bis Westport nicht mehr los. Nur vereinzelt hat die Sonne gewonnen und so habe ich, außer meinen Scheibenwischern und hin und wieder den Mittelstreifen der Fahrbahn, nicht allzu viel von der Küste sehen können. Nach 2 Minuten außerhalb meines Autos bin ich bis auf die Haut durchnässt. Genug um meine Pläne für die Südinsel abzukürzen und auf dem schnellsten Weg Richtung Nordinsel weiterzuziehen.

Pancake Rocks

Aber nach jetzt schon über 5500 km auf dem Tacho bin ich froh bald nicht mehr hinter dem Steuer sitzen zu müssen. Noch gute zwei Wochen, die ich mich entlang der Ostküste zurück nach Auckland hocharbeite und dann werde ich erst mal ein bisschen arbeiten. Mehr dazu zu gegebener Zeit.

Kiwi Talk
Der Lieblingsausdruck der Kiwis ist „Sweetas“ und damit ist keineswegs ein Kompliment für das Hinterteil gemeint. Vielmehr wird es verwendet, wie bei uns „geil“ oder „cool“.

Ich muss sagen, im Großen und Ganzen verstehe ich die Kiwis recht gut. Doch hin und wieder begegnet man einem, der einen abartigen Akzent hat. Besonders im Süden, werden die Kiwis recht brummelig, da kommt es schon mal vor, dass man einfach gar nichts mehr versteht. Wenn man daraufhin höflich nachfragt, wird einem derselbe Satz in der gleichen Geschwindigkeit einfach nochmal serviert. Aber ein langezogenes „yeaaah“ zur Bekundung, dass man verstanden hat, wird meist mit einem doppelten „yeaaah yeaaah“ bestätigt und alle sind zufrieden.

Kiwi Wetter
Ich hatte wirklich sehr viel Glück mit dem Wetter. Nach einem wohl sehr verregneten Sommer, hat der Spätsommer sich von seiner besten Seite gezeigt. Doch trotzdem ist das Wetter hier sehr durchwachsen und wechselhaft. Oft tut man gut daran, alle möglichen Klamotten-Variationen mitzunehmen, sich ggf. fest einzupacken, um kurz darauf wieder alles auszuziehen und dann wieder anzuziehen, auszuziehen, anzuziehen etc.

Kiwi Hobby
Lieblingsbeschäftigung der Kiwis: Opossums töten.
1858 von Australien eingeführt, um eine Pelzzucht aufzubauen, entwickelten sich die Opossums, aus Ermangelung an natürlichen Feinden, zu einer Plage. 70 Millionen Opossums soll es hier geben, die alles Grüne fressen. Selbst Zweige und Baumrinde, Frösche und Vögel stehen auf dem Speiseplan. Sie werden mit Gift und allen möglichen Tötungsvariationen bekämpft, aber nichts hat bisher wirklich gewirkt. Auf den Straßen sieht man daher ständig plattgefahrene Opossums.

Kiwi Vampire
Sandflies – kleine lästige Plagegeister, die vorzugsweise in der Dämmerung über einen herfallen und es innerhalb weniger Sekunden schaffen, einem in den ganzen Körper zu stechen. Diese Stiche jucken wie Hölle. Ich bin oft nachts aufgewacht, weil ich mich mal eben ausgiebig kratzen musste.

Unterkünfte
Bisher habe ich drei verschiedene Unterkunft-Typen in Neuseeland hinter mir.

Backpacker: damit es möglichst günstig ist, buche ich hier entweder ein Dorm oder ein Shared room, d.h. 4-6 Leute in einem Zimmer. Alle, die schon länger auf Reisen waren, wissen wovon ich spreche – Plastiktüten Vergewaltiger, stinkende, schnarchende, sprechende, schreiende (wohlgemerkt im Schlaf) Reisende. Nicht immer lustig. Ausschlafen ist eigentlich nie möglich, irgendwer muss immer früh raus. Dafür lernt man immer neue Leute kennen, mit denen man zumindest ein paar nette Abende verbringen kann, bevor jeder in andere Richtungen weiterzieht.
Lustiger weise trifft man dabei doch immer wieder auf die gleichen Leute. So habe ich auch Mick nochmal in Queenstown wiedergetroffen, nachdem sich unsere Wege getrennt hatten.

Apropos Touristen, wollte mich doch mal erkundigen, ob noch ein paar Menschen in Deutschland sind? 80% der Backpacker hier in Neuseeland kommen aus Deutschland, 90% davon aus Baden-Württemberg. Ist das die Wirtschaftskrisen-Flucht? Schon lustig irgendwie. In den meisten Fällen hat man mehr Glück, den anderen auf Deutsch anzusprechen, als auf Englisch. Trotz dieser deutschen Invasion, sind die Neuseeländer immer auffällig freundlich und für einen Chat aufgelegt. Oder hattet ihr in Deutschland schon mal ein nettes Gespräch mit einer Kassiererin im Supermarkt?

Holiday Park: komfortable Zeltplätze, immer ausgestattet mit Küche, Fernsehraum, Waschmaschinen, Duschen. Wenn man kein eigenes Zelt oder Camper hat, kann man hier auch oft eine Hütte buchen.

DOC Campingplatz: DOC = Department of Conservation => neuseeländischer Alpenverein. In den Nationalparks findet man diese einfachen Campingplätze, die nur mit Toilette und Wasserhahn (Wasser muss abgekocht werden) ausgestattet sind. Bezahlt wird in eine Box, teilweise wird jedoch auch kontrolliert.

Und demnächst werde ich dann mal noch Couchsurfen ausprobieren.


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Kommentare

6 Kommentare zu „Neuseeländischer Charme“

  1. Hihihi – „Department of Conversation“ – JAWOLL, so hieß es bei uns auch…

    Oder wars doch „Department of Conservation“? Na, sind ja für beides zuständig 😀

    Ok, ich gebe es offen zu: Ich beneide Dich!

    PS: Hab ich erwähnt dass es bei uns an der Westcoast nicht geregnet hat 😉

  2. anke

    *lol* conservation natürlich

    jaaaa hast du!!! hatte leider nicht soviel glück. aber war trotzdem scheee

    was machen die kleinen?
    lg anke

  3. Janine

    huuuuuuhu! *quer und längs über die erdkugel gröhl* du hast also spaß da unten, abgesehen von leichten anflügen von übersättigung? wollen wir tauschen? hier liegen noch drei äußerst inhomogene und abwechslungsreiche wäscheberge, die abgearbeitet werden wollen… ;o)

    grüßle von der hausfrauen- mutter- und selbstständigenfront!

    ps: sach ma, hast du ne schreibschule besucht? wieso klingen deine texte so gut, wo das doch mein job ist…*grübel*? mein neid sei dir versichert!

  4. anke

    halloooo,

    gleich beide elternteile auf einen schlag heute :-D.

    ja bin gerade bisschen reisemüde, aber kein wunder, nach schon bald 2 monaten nur auf achse, kreuz und quer durch neuseeland… aber mache ja bald bisschen pause.

    nein momentan möchte ich noch nicht tauschen. aber freu mich trotzdem schon, euch vier wiederzusehen, wenn ich zurück bin :-).

    und nein, hab keine schreibschule besucht. ich glaub die einzige schulung in dieser richtung hatte ich an der hdm, you remember? da scheinen doch ein paar verborgene talente in mir zu schlummern ;-).

    ganz liebe grüsse
    anke

  5. Hilfe, ich bin ganz allein in Baden-Württemberg übriggeblieben! Hol mich hier raus! 😉

    Nein im Ernst: Wäre jetzt auch gerne drüben, hört sich alles prima an. Und deine Schreibe ist ja wunderbar – hätte ich das vorher gewußt hättest du mehr Blogbeiträge im MM-Blog verfassen müssen 😉

    Musste sehr lachen „Wenn man im falschen Moment blinzelt“ :)) So geht es einen in Australien auch schon mal!

    Ganz viel Spaß noch!

    VlG
    Nina

  6. anke

    @nina mehr blogbeiträge im mm-blog ist gut, wieviel beiträge hab ich da nochmal verfasst ;-)? proggen und schreiben verträgt sich nicht, da brauch ich einen freien kopf und den hab ich momentan…

    lg zurück
    anke