Finally I am following my father’s footsteps!!!

Da ich eine Weile meinem Computer-Arbeitsplatz entfliehen wollte und ich außerdem nicht lange genug in Neuseeland bin, um einen richtigen Job anzunehmen, musste ich mir überlegen, was ich hier eigentlich arbeiten will. So richtig Lust auf Fruit picking hatte ich nicht, daher habe ich mich für Wwoofing entschieden. „Willing workers on organic farms“. Kleine, familienbetriebene Bio-Farmen, bei denen man zwar kein Geld bekommt, dafür aber freie Unterkunft und Verpflegung. Genug, um ein bisschen Geld zu sparen und einen anderen Lebensstil kennenzulernen.

Neuseeland

Mein erster Wwoofing-Platz führt mich zu den Fruit Vans. Die Besitzer, ein junges brasilianisch-australisches Pärchen, kauft hier Bio-Obst von neuseeländischen Farmen und wir Backpacker verkaufen dieses am Straßenrand oder an Stränden. Ihr eigentliches Ziel ist ein Eco-Backpacker in Patagonien. In der Zwischenzeit haben sie hier eine kleine Kommune aufgebaut, ein buntgemischter Haufen von Leuten überall aus der Welt. Momentan sind wir 16 Personen hier im Haus, von Frankreich, Argentinien, Brasilien, Deutschland und Amerika. Jeder muss mithelfen, damit alles reibungslos funktioniert. Neben dem Obstverkauf muss das Haus geputzt, der Abwasch erledigt, Mittagessen für die Verkäufer vorbereitet und Abendessen gekocht werden.
Die Verkäufer müssen 4 Tage die Woche für 5 Stunden arbeiten und haben dann 3 Tage frei. Nachdem die Vans beladen sind, geht es um etwa 9:30h los. Bewaffnet mit einer Straßenkarte, Geldbörse, Preisliste, einem Buch und iPod muss ich schon nach einem Trainee-Tag auf eigene Faust an meinen Spot fahren (ähm wo war das noch gleich?…) und mein Glück versuchen. Aber Wassermelonen verkaufen liegt bei den Altintop‘s in den Genen, denke ich (kleiner Insider). Meine Kunden sind jedenfalls von meinen „Klopffähigkeiten“ überzeugt und kaufen mir regelmäßig alle Wassermelonen ab.

Watermelon Queen

Feijoas und Avocados sind DER Verkaufsschlager überhaupt, Kiwis werden jedoch meist verschmäht und so müssen wir uns die Bäuche regelmäßig mit Kiwisaft, Kiwikuchen und Kiwimarmelade vollschlagen. Kann man eigentlich an Kiwi-Überdosis sterben? Vor zwei Tagen sind zwei weitere riesen Kiwi Kisten angekommen, wo soll das nur Enden???

Die meiste Zeit heißt es warten, warten, warten, lesen, Musik hören, lesen, lesen, lesen, Musik hören, Däumchen drehen, warten… Vormittags kommen die gesprächigen Rentner vorbei. Nach dem Mittagessen Mütter mit ihren Kindern und kurz vor Schluss (gegen 4:30 Uhr), dann alle, die nach dem Feierabend noch kurz etwas einkaufen wollen (ähm hallo ich möchte gerade Schluss machen… aber sie bekommen natürlich gerne noch ein paar Avocados…).

Wenn es mal wieder regnet und ich es mir gerade in meinem Van hinter meinem Buch so richtig gemütlich gemacht habe, kann es schon mal mühselig sein, den wartenden Kunden mit einem Lächeln und „How is it going?“ entgegenzutreten, aber man bemüht sich ja freundlich zu sein. Und so bringe ich die Frucht-Säcke selbstverständlich auch gerne ans Autofenster, wenn ein besonders eiliger Kunde, nicht aus seinem Auto steigen möchte. Innerhalb von vier Tagen, habe ich so den Umsatz von NZ$150 auf NZ$380 steigern können und das zuletzt sogar an einem sonst ziemlich mies laufenden Spot.

Müde und durchgefroren tauschen wir uns alle am Abend auf dem Balkon über unsere Erlebnisse aus und können so die etwas frustrierenden Fragen über den Reifegrad von Kiwi und Avos mit einem Lächeln quittieren.

Schon irgendwie lustig, das Ganze. Vor allem macht es riesen Spaß mit meinem Van, namens „Plumbero“ durch die Gegend zu fahren. Er ist zwar ein Schrotthaufen, bei dem die Tankanzeige nicht mehr funktioniert und sich fährt wie ein LKW, aber Klein-Anke ist darin „Queen of the Road“ :-D. In der zweiten Woche fahre ich mit „Happy Camper“ durch die Gegend, der eher „Sad Camper“ heißen sollte, da er ständig seine „Ohren“ hängen lässt, so dass mir nichts anderes übrig bleibt als mich extrem zu verrenken, wenn ich sehen möchte, was der Verkehr hinter mir gerade so anstellt.

Ich muss sagen, dass ich mich sehr wohl fühle in dieser „antikapitalistischen Kommune“ und trotzdem haben diese wwoofing-Einsätze auch irgendwie einen bitteren Beigeschmack. Man arbeitet hart und bekommt doch „nur“ einen Schlafplatz und Essen als Gegenleistung. Ich möchte mich nicht beschweren, denn ich habe mir bewusst diese Jobs ausgesucht, da es mir weniger darum geht Geld zu verdienen, sondern in erster Linie Menschen und ihre Lebensstile kennenzulernen. Doch wenn man genau hinsieht steckt hinter den Fruit Vans natürlich auch nur eine gewinnerzielende Firma, bei der Umsatz mit Hilfe oder auf Kosten der Backpacker erzielt wird und weniger der Lebensstil im Vordergrund steht. Das Gleiche Prinzip vermute ich auch bei den meisten anderen wwoofing-Plätzen.

Fruit vans

Und doch ist der internationale Flair, der hier im Haus schwebt toll. Beim (meist superleckeren vegetarischen) Abendessen sitzen alle zusammen, die Gespräche werden in mehr oder weniger gutem englisch, französisch, spanisch und portugiesisch geführt. Nicht selten ist voller Körpereinsatz gefragt, da ein Wort oder Satz vom anderen nicht verstanden wird. Man lernt viel über die verschiedenen Kulturen, Sprachen, deren Küche und Traditionen.


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