Big Island – Hawaii‘

Auf Big Island quartiere ich mich, ganz gegen den allgemeinen Touri-Strom, auf der Westseite in Hilo ein. Hier ist es immer etwas bewölkt, Hilo wenig attraktiv, doch dafür ist es auf dieser Seite der Insel sehr grün und im nachhinein betrachtet war das die beste Wahl, da ich hier die schönsten Strände gefunden habe.
Nach einem Flug von 1h hole ich mir direkt am Flughafen mein Mietauto ab. Einen roten Chrysler, sehr schick. Doch schon nach der kurzen Fahrt zu meiner Unterkunft, ist klar, dass die Bremsen ziemlich hinüber sind und daher tausche ich das Auto am nächsten Tag gegen einen brandneuen Dodge Caliber mit nur 700 Meilen. Ein Traumauto, das ich am liebsten für den Rest meines Trips mitnehmen würde.

Auto Nr. 2

Im Hilo Tropical Gardens Guest House schlage ich mein Zelt auf und treffe sehr interessante Menschen:
Mister „Moses“ Deano – Vietnam Veteran und jetzt wandelnder Prophet des mathematischen Christentums
Trunkenbold Mark – hat sich sein Gehirn weggesoffen und fragt mich jeden Tag das Gleiche, ist ansonsten jedoch harmlos
„I don’t know what your talking about“ Bobby – ist mir ein absolutes Rätsel geblieben, scheint irgendwie im Guest House gestrandet zu sein und pflegt dort den Garten
Managerin Margret – die Deutschland liebt und sehr hilfsbereit ist, sie lässt mich am letzten Tag sogar im Dorm übernachten, damit ich mein Zelt nicht nass einpacken muss
„Yogi Teddybärchen“ Jordan – der einzig Normale hier. Froh dass wir uns dort gefunden haben, gehen wir gemeinsam auf Entdeckungstour

Ich muss sagen, Big Island ist sehr vielseitig. Als hätte jemand unsichtbare Grenzen gezogen, ändert sich die Landschaft abrupt zwischen Tropischen Wäldern, wüstenähnlichen Lavagebieten, mexikoähnlichen Steppen und grünen hügeligen Gebieten, die ein bisschen an Neuseeland erinnern. Überall findet man jedoch schwarzes Lavagestein, das in allen möglichen Formationen die Berge und Strände verändert hat.

Nationalpark

Mit meinem schicken Auto ging‘s dann einmal komplett um die Insel. Heiliges Land im Waipi‘o Valley betrachten, Iron Man Athleten bei Hapuna Beach bewundern (abartig heiß hier, wie kann man da Hochleistungssport machen?), Touristenhochburg Kona abchecken (gefällt mir gar nicht und die zugehörigen Strände sind mini und überfüllt), Wasserfälle bewundern, Strände erkunden.
Den schönsten Strand gibt es gleich um die Ecke. Super klares Wasser, eine kleine Lavainsel mit etwas Sand für uns allein. Beim Schnorcheln habe ich plötzlich eine Riesenschildkröte vor der Nase hat. Wir verharren beide in unseren Bewegungen und starren einander für ein paar Sekunden an. Bis die Schildkröte sich desinteressiert zur Seite dreht und sich dem nächsten Fels zuwendet. Wow, wozu tauchen, Schnorcheln reicht auch…

Am beeindrucktesten war jedoch der Vulcanoe National Park. Zunächst nehmen wir hier den ganz offiziellen Eingang zum Park und fahren bis runter ans Meer, wo plötzlich die Straße aufhört, bedeckt von kalter Lava, geht’s nur per Fuß weiter. Schon ganz beeindruckend, aber irgendwie sind wir etwas enttäuscht, da wir doch gehofft hatten irgendwo fließende Lava zu finden. Auf dem Rückweg zum Parkausgang retten wir eine verletzte Wanderin, die vergeblich versucht hat noch bei Tageslicht zu ihrem Auto zurückzukommen. Sie ist unglaublich dankbar, da wohl schon etliche Autos an ihr vorbeigefahren sind ohne zu halten, und gibt uns einen Tipp, wo wir tatsächlich fließende Lava finden können.

Lava Expedition

Von Pahoa kommend machen wir uns am nächsten Tag auf, zu unserer Lava Expedition. Es wird immer einsamer, das Radio fällt plötzlich aus, gefühlt sind wir ewig auf einer schnurgeraden Straße unterwegs, bis endlich eine Absperrung auftaucht. Die Anweisungen auf den zugehörigen Schildern, sind nicht gerade eindeutig, darf man jetzt hier weiterfahren oder nicht? Jordan meint ‚Yes lets do it‘, also geht es weiter. Eine ziemlich holprige, enge Straße führt uns zu einem Platz, wo plötzlich etliche Autos auftauchen und uns ein Parkplatz zugewiesen wird. Die Stimmung ist irgendwie bisschen spooky. Bewaffnet mit unseren Headlights machen wir uns auf den Weg. Vorbei an Häusern, die in dieser schwarzen Landschaft links und rechts zu sehen sind (manche zu verkaufen, andere nicht), sieht man in der Ferne schon etwas glühen und ich bereite mich schon mal darauf vor, dass der Aussichtspunkt sehr weit von der Lava entfernt sein wird und wir doch besser gewartet hätten, bis die Aufpasser, nicht mehr da sind. Aber weit gefehlt. Trotz Ranger (oder was auch immer das war, sonderlich aufgepasst hat er jedenfalls nicht) stehen wir plötzlich wenige Zentimeter davon entfernt. Es ist heiß, alle sind aufgeregt und ein Mann fällt unmittelbar neben der Lava hin, ist aber glücklicherweise noch weit genug davon entfernt gewesen.

Jordan und ich sind froh, als sich die größte Menschmenge auflöst und wir in Ruhe das Naturschauspiel betrachten können. Die Lava fließt ziemlich schnell, sie bedeckt genau den Fleck, wo wir noch wenige Minuten vorher gestanden haben, ein Teil bricht ab, eine andere Zunge frisst einen Ast auf, um kurz darauf langsamer zu werden, als wäre ihr größter Hunger gestillt.

Lava Expedition

Alles in allem eine sehr interessante Insel, auf der ich es durchaus noch länger hätte aushalten können.


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