Mein erster Eindruck von Maui beginnt im Anflug. In der familiären Maschine von Big Island, in der ich mir meinen Sitz selbst aussuchen darf, und die nach nur 30 Minuten – ich habe mich also quasi gerade zurückgelehnt – schon über dem Kahului Airport ist. Die Luft ist rot von aufgewirbelter Erde und der Pilot muss seinen Anflug im 45° Winkel vornehmen, um die Landebahn richtig zu erwischen. Ja, Maui ist relativ windig und damit u.a. ein Wind- und Kitesurf Paradies. Wenn letzteres nicht so unverschämt teuer wäre, hätte ich sogar einen Kurs in Erwägung gezogen. Aber was soll‘s, es gibt ja noch andere Möglichkeiten dafür.
Für die, welche es noch nicht wissen, eine ehemalige Kommilitonin von mir, hat das unglaubliche Glück auf Maui zu leben und da sie momentan mit Mann und Kind in Deutschland ist, habe ich mich in ihr süßes Cottage eingemietet. Zusammen mit dem Avocado fressenden Hund Mele und der, so vermute ich, an Alzheimer leidenden Katze Poki, genieße ich hier vor allem einmal ein bisschen Zeit für mich und Ruhe vom Touristentrubel. Da dies eine einmalige Gelegenheit war, verbringe ich hier gut einen Monat. Vielleicht ist es etwas ungewöhnlich solange hier zu bleiben, zumal Maui im Prinzip an einem Tag umrundet werden kann. Aber es ist auch eine gute Möglichkeit alles bisher Erlebte sacken zu lassen. Zeit nur für mich zu haben und alle Gedanken kommen und gehen zu lassen, wozu, auch wenn es komisch klingt, sonst keine Zeit ist. Dazu eine wunderschöne Umgebung, mit allerlei leckeren Früchten im Garten, was will man mehr?
Eine kleine Planänderung musste ich jedoch gleich zu Beginn machen. Beim Surfen, habe ich die Nähe zum Riff ein wenig unterschätzt und mir dabei den Fuß verletzt. Was dazu geführt hat, dass ich zunächst das Surfen streichen musste und mich erst einmal auf diverse Sightseeing Touren konzentriert habe. Mittlerweile habe ich schon die komplette Westinsel und einen Teil der Südinsel erkundet und bin schon jetzt mal wieder von der Vielfalt auf einem so kleinen Raum beeindruckt.
Besonders das Ahihi-Kina’u Natural Area Reserve hat es mir angetan. Der Farbkontrast zwischen dem kristallklaren Wasser und dem schwarzen Lavageröll, die Kraft des Meeres, wie es unerbittlich gegen die Küste rauscht und dabei meterhohe Fontänen in die Luft befördert, Ausblick auf die Nachbarinsel Kaho’olawe und den Molokini Crater, Delphine, Korallen und Fische in einer unglaublichen Vielfalt, schwarze Ziegen – kurz ich war ganz schön geflasht bei meiner Wanderung entlang der dortigen Küste. Ein paar lebensmüde Locals werfen sich hier, in zugegeben, perfekte Wellen. Aber den Spaß kurz nach dem Takeoff möglichst schnell wieder vom Brett zu kommen, wenn man nicht testen möchte, ob die Felsen tatsächlich härter sind als dein eigener Kopf, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Dass dies nicht immer gut geht, zeigt dann auch eine kleine Gedenkstätte vor einer dieser ‚Surfspots‘. Zwei junge Kerle haben das Timing wohl nicht ganz hinbekommen und sind dabei ums Leben gekommen.
Auch die Fahrt auf dem Kahekili Hwy entlang der Westküste ist ein kleines Abenteuer. Zum Großteil ist diese Straße einspurig und ich habe nicht selten meinen Atem anhalten müssen, wenn es mal wieder keine Ausweichmöglichkeit gab und Gegenverkehr daher mehr als unpraktisch gewesen wäre. Unterwegs hat man fantastische Ausblicke auf die Küste, kann sich den Magen mit Banananbrot, Shave Ice und diversen Früchten vollschlagen, die an lustigen Ständen am Straßenrand verkauft werden, Blowholes betrachten und sich zum Abschluss einen der vielen kleinen Strände aussuchen.
Es ist wirklich faszinierend. Die Hawaii Inseln, so nahe sie auch beieinander liegen, haben alle ihren ganz eigenen Charakter.
Obwohl ich noch nicht alles von Maui gesehen habe und mir bei meiner Erkundung Zeit lasse, kann ich jetzt schon sagen, es gibt viel zu sehen und zu machen. Ob Schnorcheln, Tauchen, Wandern, an einem der unzählig schönen Strände liegen, Bodysurfing, Wellenreiten, Windsurfen, Kiten – Zuckerrohrfelder, grüne Wälder und Täler, rote Erde und Felsen, Touristenstädte, hippe Surfstädtchen, aufgeräumte Resort Dörfer im Golfplatz Look, Surfstrände für alle Level, Traumstrände, man findet alles hier. Aber zugegeben, es ist kein typisches Backpacker Ziel, was ich u.a. direkt am Flughafen gemerkt habe, als ich den Bus Richtung Stadtzentrum nehmen wollte, durfte ich leider nicht einsteigen, da Gepäck im Bus nicht gestattet ist. Muss ich nicht verstehen oder (Flughafenbus wohlgemerkt)?
Wie ich schon in einem früheren Bericht geschrieben habe, merkt man, dass die Maori und die Hawaiianer eine gewisse Verbindung haben. Die Tänze und Musik ist ähnlich, die Sprache kommt mir ähnlich vor, zumindest sind die Ortsnamen genauso unaussprechlich, geschweige denn merkbar, wie in Neuseeland, die Kunst und die spirituelle Betrachtung der Natur haben vergleichbare Elemente.
So begegne ich auf dem Maui Film Festival wieder dem neuseeländischen Film „Boy“, den ich dort schon gesehen hatte. Eine Woche später, beim Ki ho’alu (oder auch Slack Key Guitar) Festival, trat dann u.a. der Musiker auf, der die Filmmusik dazu geschrieben hatte.
Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass die alten Traditionen hier nicht mehr so präsent sind wie bei den Maori in Neuseeland. Aber es gibt hier, wie dort, die Bemühung diese am Leben zu erhalten und mit Sicherheit gibt es Familien, die noch diese Traditionen leben und nicht nur für die Touristen praktizieren.
Kommentare
2 Kommentare zu „Maui“
Ich bin immer fasziniert und gleichzeitig unendlich stolz, dass ich so eine Tochter habe. Dir Berichte sind sowas von gut, es ist als ob man einfach mitreisen würde. Ich bin auf die nächsten Zeilen extrem gespannt. Gruß+Kuss
Daaaankeeeeschööööön 🙂