Von der Party-Stadt Cusco, mit zu vielen Cocktails, fantastischem Frühstück und schöner Umgebung geht es zur letzten Station vor dem Inca Trail, nach Ollantaytambo. Eine kurze Wanderung auf einen der umliegenden Berge ist für einige der Vorgeschmack, was sie in den nächsten Tagen auf dem Inca Trail erwarten wird, für andere ein atemraubender Ausblick auf die hiesige Landschaft und deren Inkastätten.
Am Morgen vor dem Inca Trail, kein Strom, heißt keine Dusche. Keine amüsante Aussicht, da auch die nächsten Tage ohne Dusche bestimmt sind. Nach einem wenig sättigenden Frühstück, bestehend aus steinhartem Brot mit Marmelade, geht plötzlich das Licht wieder an und ich springe so schnell wie möglich unter die Dusche, auch wenn sie kalt ist, besser als nichts.
Vier Tage Inca Trail, eine Erfahrung für sich. Wir dürfen eine Tasche mit 6kg mitnehmen, die an die lokalen Träger übergeben wird. Zusätzlich ein kleiner Tagesrucksack, für alle Habseligkeiten, die wir während des Tages benötigen. Das ist nicht viel. Die Hälfte wird schon durch Schlafsack und Isomatte belegt.
Kurz nach der Passkontrolle lässt mich dann meine Kamera im Stich. Trotz frisch geladenen Akkus, lässt sie sich nicht mehr dazu überreden, mir zu Diensten zu sein. Nun bleibt mir nur noch meine kleine Pocketkamera, die natürlich nicht so gute Bilder macht. Sehr ärgerlich. Mit einer toten Kamera im Rucksack geht es am ersten Tag sehr gemächlich los. 12 angenehme Kilometer. Einziger Highlight ist eine Begegnung mit einem Kaktus. Diese Geschichte eignet sich jedoch nicht für eine öffentliche Internetseite…
Im ersten Camp erwartet uns eine wenig erfreuliche Toilette. Jeder erhält eine Schale mit warmem Wasser für die grobe Reinigung. Wir lernen unsere Helfer kennen. 20 Porter, die jeweils maximal 25kg tragen dürfen und 2 Köche, die uns in den nächsten Tagen mit ihren Menüs bezaubern. Unter einfachsten Bedingungen stellen sie fantastische Essen her. Höhepunkt ist ein Kuchen, frisch zubereitet mit Campingequipment. Einfach unglaublich.
Der zweite Tag hat es in sich. Viele Stunden lang geht es den Berg hoch auf 4215m. Vorbei an diversen Inkastätten, auf unebenen Steinwegen, mit unzähligen Stufen, angefertigt für Riesen, das Ziel im Blick scheint der Weg niemals zu Enden. Das zehrt an den Kräften und Nerven. Umso glücklicher sind alle, als dieser Kampf überstanden ist. Jetzt geht es nur noch bergab und lediglich Menschen mit Knieproblemen, freuen sich weniger auf diese Aussicht (mich eingeschlossen).
Eine eiskalte, atemraubende Dusche erwartet uns, die lediglich von den weiblichen Teilnehmern genutzt wird.
Der dritte Tag wieder angenehmer, jedoch für mich eine kleine persönliche Herausforderung. Meine Knie lassen mich im Stich und rebellieren gegen die vielen Stufen bergauf und bergab. Jeder Schritt ein Stich. Trotzdem mache ich den Umweg zu einer landwirtschaftlichen Inkastätte mit. Die Aussicht lohnt sich und im Camp sind die Schmerzen schon fast vergessen. Die warme Dusche für 5 Soles hilft dabei ungemein.
Nach dem Abendessen verabschieden wir uns von unseren Portern, die unglaubliche Dienste erwiesen haben. Schwer beladen haben sie den Trail in einem unglaublichen Tempo hinter sich gebracht und uns so viel wie möglich geholfen. Man hat ein schlechtes Gewissen, wenn man sie so überladen den Weg hoch und runter rennen sieht. Nicht selten kamen uns einige wieder entgegen, haben Getränke gebracht oder krank gewordene Teilnehmer getragen.
Am vierten Tag heißt es ein letztes Mal früh aufstehen. Anstehen am Tor für die letzten Kilometer. Ziel ist es den Sonnenaufgang am Sonnentor über Machu Picchu zu bewundern. Eine dicke Wolke versperrt uns jedoch die Sicht und gibt den Blick nur für wenige Sekunden frei.
Machu Picchu. Ein absolutes Highlight. Die Strapazen haben sich gelohnt. Eine riesige Anlage. Unwirklich ragt sie vor uns auf. Perfekte Architektur. Bedroht durch die vielen Touristen. In Zukunft werden wir dieses Wunder nur noch von Hubschraubern betrachten können, da Machu Picchu abzurutschen droht.
Nach einem vollen Tag der Erkundung geht es mit dem Zug und einem anschließenden Bus zurück nach Cusco. Es wird kräftig gefeiert. In Cusco die Wunden geleckt und ein Geburtstag gefeiert.
Dann geht es nach Puno und dem Lake Titicaca. Dort erwartet uns ein Homestay in einem süßen kleinen Haus. Wir werden von den Mädchen der Familie versorgt. Mit ihren Andean Trachten warten sie auf uns am Ufer. Abends werden wir selbst eingekleidet und tanzen gemeinsam mit der kleinen Gemeinde. Trotz schwerer Erkältung und Fieber, kann ich sagen, dass dies eines der schönsten Erlebnisse der Tour ist.
Auf dem Rückweg nach Puno ein Stopp auf den floating islands. Eine seltsame Art zu Leben. Insel, Häuser und Boote sind aus Schilf angefertigt, hier leben Menschen ein ganz anderes Leben. Einen Tag später geht es mit dem Bus Richtung bolivianische Grenze, die jedoch zu Fuß überquert werden muss.
Eine wackelige Fähre bringt unseren Bus über den See, wir selbst zwängen uns in ein winziges Boot.
La Paz. Eine verrückte Riesenstadt. Che Guevara Statue. Häusermeer. Die Straßen sind verstopft. Am Straßenrand sitzen Frauen in Andean Trachten, umringt von ihrer Ware. Vermummte Schuhputzer warten auf Kunden. Das Hotel wird von einem bewaffneten Sicherheitsbeamten bewacht. Alles wirkt etwas bedrohlich und wenig sicher. Alleine möchte ich hier lieber nicht durch die Straßen laufen, vor allem nicht in der Nacht.
Ein Ausflug zum Ski Resort Chacaltaya, mit dem Ziel Kelly Schnee zu zeigen, ist leider wenig erfolgreich. Die Aussicht zwar schön, jedoch nicht einmalig. Später erfahren wir, dass das Resort vor 5 Jahren wegen Schneemangels geschlossen wurde. Auch die anschließende Fahrt ins Moon Valley ist wenig beeindruckend. Ein ganzer Tag im Bus. Die Enttäuschung und die Wut auf die Dame der Reiseagentur, die anderes Versprochen hat, ist groß.
Auch hier ein paar zu viele Cocktails aber ein lustiger Abend, mit all den lieben Menschen, die mich in den letzten Wochen begleitet haben.