Zwei Wochen Freiwilligenarbeit in Guatemala fangen erst mal etwas holprig an. Am ersten Tag werde ich von meiner Organisation in den Tageshort begleitet. Obwohl mir ausführlich erklärt wird, dass ich mich nie auf die Anzeige an den Chicken Busses orientieren soll, sondern darauf, was der Ticketverkäufer aus dem Bus schreit und wir sogar nachfragen, wohin der Bus fährt landen wir in einem Richtung Guatemala City. Damit wird eine 20 Minuten Fahrt zu 2 Stunden, bis wir unseren Weg zurück nach Antigua finden, vergeht einige Zeit. Exakte Fahrpläne darf man hier nicht erwarten. Es wird solange gewartet, bis die Fahrgäste eine angemessene Zahl angenommen haben, damit genug verdient wird. Wer die Chicken Busse nicht kennt: Bunt angemalte alte Schulbusse aus den USA. Konstruiert für Kinder ist der Gang nur eine Handbreit weit und kann nur seitwärts durchquert werden. Gibt es keinen freien Platz mehr, scheuen sich die Guatemaler nicht, sich zu dritt oder viert auf einen Zweisitzer zu kuscheln. Je nachdem ob noch Kinder dabei sind, kann es durchaus auch mehr werden. Der Mittelgang existiert in dem Fall dann nicht mehr. Hühner habe ich hier zwar noch keine erlebt, dafür aber jede Menge anderes Gepäck, das im Zweifelsfall einfach aufs Dach gepackt wird.
Endlich im Hort angekommen werde ich von einer Horde Kindern umzingelt, die mich neugierig betrachten und mit Fragen bombardieren. Hier helfe ich also, den Kindern die Mahlzeiten zu geben, ihnen die Hände und Zähne zu putzen und mit ihnen zu spielen. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie diese Kinder aufwachsen. Sie kommen von armen Familien, oft von alleinerziehenden Müttern. Die ganz Kleinen kommen meist ohne richtige Windel an, lediglich ein paar Stofffetzen sind um ihre Hintern gewickelt. Wenn es also bei ihnen losgeht, gibt es kein Halten mehr, ihr könnt es euch sicher vorstellen… Alles ist sehr einfach und der Tageshort hat auch nicht viel Geld, um Materialien zum Basteln etc. zu besorgen. Früherziehung Fehlanzeige. Der Spielhof ist nur ein Erdplatz mit einer Rutsche und einem Schaukelgerüst. Überall gibt es für Kinder Gefahrenzonen. Die Kindergärtnerinnen kümmern sich so gut wie nicht um die Kinder und sagen mir auch nicht, was ich helfen kann. So spiele ich hauptsächlich mit den Kids. Einige brauchen extrem viel Aufmerksam und holen sich alle paar Minuten eine Schmuseeinheit ab. Und das ist wahrscheinlich das einzige, was ich ihnen geben kann. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, Zuneigung, Umarmungen. Es ist so gut wie unmöglich etwas an der eigentlichen Situation zu ändern. Die meisten Kids haben faule Zähne, da sie sich ständig Süßigkeiten in den Mund stecken. Die Kindergärtnerinnen achten nicht darauf bzw. haben kein Bewusstsein dafür.
In meiner zweiten Woche werde ich Zeuge davon, wie schnell so ein Projekt zu Ende sein kann. Es gibt kein Geld mehr, um Essen für die Kinder zu kaufen, die Kinder sind nicht da und so räumen wir lediglich alles auf. Auch wenn es keinen großen Unterschied macht, ist es traurig, dass ich mich nicht von ihnen verabschieden konnte.
Das neue Projekt ist eine private Initiative. Ein Ehepaar von Guatemala bietet Kindern eine Nachmittagsbetreuung an. Sie sind unglaublich engagiert und bieten den Kindern viele unterschiedliche Aktivitäten an. Hier helfe ich neue Möbel zu bauen und anzustreichen. Es ist schön zu sehen, dass es auch andere Projekte gibt, wo den Kindern nicht nur Essen gegeben wird.
Kommentare
2 Kommentare zu „Guatemala Freiwilligenarbeit“
wow anke! schöner Bericht mit traurigem Inhalt. Ich finds gut das du dich dort engagierst, aber kann mir auch vorstellen das das grad mit Kindern ganz schnell ganz emotional werden kann.
lg vom alex
das war schon eine sehr spezielle Erfahrung, die ich aber auch nicht missen möchte!!!
LG Anke